Schottland, Whisky und Meer
Die Letze Wache
27.07.2010
Am 21. Juli 2010 um 20:00 Uhr hat mein Geschäftspartner, Freund und Segelkamerad Sven Judick seinen Kampf gegen den Krebs in seinem Körper verloren. Vier Tagen später wäre er 48 Jahre alt geworden.
Sven kam 1996 als neuer Gesellschafter in unsere Schreiner – GbR. Schnell wurde er mit seinem Betrieb ein wichtiger Mitarbeiter in meinem Auftragsgefüge. Wir koordinierten unsere Aufträge und Sven war bei allen meinen Großprojekten in vorderster Front für mich dabei. Ich konnte mich um die Regie kümmern und er hielt mir den Rücken in der Werkstatt frei. Er hatte Freude an seinem Job, war voller Tatendrang und konnte sich ehrlich über das gemeinsam Geleistete freuen. Viele Möbel, auch in meinem eigenen Haus, zeugen von seinem „Handwerk“ und erinnern mich so nachhaltig an ihn.
Schon von Beginn unserer Zusammenarbeit war klar, dass Sven auch ein begeisterter Segler war. Infiziert durch frühe Segelurlaube mit den Eltern und einem festen Stützpunkt in Heerewaarden an der Maas, war er dem Wasser mit Ski, Surfbrett und Segelboot verfallen. Auf seiner Cobra 750 erkundete er Holland wagte sich sogar über den Kanal nach England. Ich lag mit meiner Drifter 25 am Ijsselmeer und wir wechselten oft Boot und Revier oder trafen uns zum gemeinsamen Törn mit unseren Booten (und Frauen).
25 Fuß erlauben nun wirklich keinen großen Radius bei 10 Tagen Urlaub und so starteten wir zur Jahrtausendwende, das Mittelmeer auf diversen Chartertörns zu erkunden. Die Mannschaft, oft Mitarbeiter unserer Werkstatt variierte, Sven war immer dabei. Auch als ich 2002 mein jetziges Schiff in Eignergemeinschaft mit Freunden erwarb, war Sven zur Stelle. Mit Ihm überführte ich die Sya im Oktober 2002 von Ibiza über Barcelona nach Port Camargue, von wo aus sie per Landtransport nach Holland gelangte. Nun hatten wir endlich das richtige Schiff um nach der Hitze des Mittelmeers mit Wind und moderaten Temperaturen die Nordsee zu erkunden. Ein gebrauchtes Schiff um 35 Fuß – auch wenn ich nicht zur Clientel derer gehöre, denen das Basteln fast wichtiger ist als das Segeln – ein solches Schiff macht Arbeit. Auch hier war Sven selbstverständlich immer dabei, ob Winterlagerung, Reparaturen oder Umsetzung einer meiner spleenigen Einfälle – Sven war zur Stelle.
Unsere Törns nach England und Dänemark belehrten uns zwar hinsichtlich des Wetters etwas anderem, bewiesen aber eine Einschätzung, die uns schon länger bewusst war: Wir zwei konnten uns in jeder Beziehung blind auf einander verlassen Diese Erfahrung half Ihm die Angst vor Langfahrten zu überwinden und wir machten einen ersten Test Trip nach Edinbourgh. Nachtfahrten mit festen Wachwechseln. Sein Leben in die Hände des Wachhabenden zu legen – es kostete Ihn bestimmt Mut, zeugte aber auch von seinem absolutem Vertrauen.
Und dann mein Werben um den Törn „Rund Schottland“. Klar wollte ich Sven als No 1 dabei haben. Hätte er mir den ganzen Törn zugesagt, wäre die Rest Crew eine angenehme Bereicherung (hoffentlich) aber keine Notwendigkeit gewesen. Aber er verweigerte sich. Viele Diskussionen später und nach Intervention seiner Frau Walli (Rund Schottland – die Chance bekommst Du nie wieder) dann Seine Zusage: „Hast Du noch meine Schlappen an Bord? – Ja, warum? – Die können ja nicht ohne mich zu den Hebriden segeln.“
Den Törnbericht habt Ihr gelesen. Die Bilder sprechen Ihre eigene Sprache. Das Sven schon bei Törnbeginn den Feind im Körper hatte ahnte niemand. Heute erklärt sich vielleicht manche Verhaltensweise. Ich weiß, dass für Sven dieser Törn vielleicht eines der größten Abenteuer in seinem Leben war. Mit Sicherheit war die Erinnerung ihm ein Hafen und eine Hoffnung für den Kampf der Ihm bevorstand.
Im November, im Hauptstress unserer Messeaktivitäten, kam der Befund. Erst mal den Job beenden, dann die nächste Baustelle angehen. Das schaffen wir, im Sommer segeln wir wieder!
Die Realität lässt sich nicht durch forsche Willensbekundungen manipulieren. Das Schicksal ist nicht bestechlich und so zeigte sich, dass die Behandlungen nicht greifen. Der Krebs nimmt Besitz von Sven’s Körper. Metastasen in der Lunge sind zuletzt sein größter Feind. Hervorragend betreut auf der Palliativstation des Düsseldorfer Marien Hospitals beginnt sein letzter Kampf letztendlich völlig überraschend schnell. Als Seine Eltern, Seine Frau und ich uns am Krankenbett treffen ringt Sven schon um jeden Atemzug. Uns war klar, dass dies eine lange Nacht werden würde.
Es sollte meine letzte Wache für meinen Freund werden. Er ist von Bord gegangen. Nichts wird mehr so sein wie vorher. Zu Lebzeiten hadert man mit den Fehlern des Freundes, wenn man Ihn verloren hat realisiert man die Größe des Vakuums, dass er hinterlässt. Wir haben uns fast jeden Tag gesehen, miteinander gearbeitet, gestritten, „geliebt“, gesegelt – Sven Du fehlst mir einfach.
Egal wohin und mit wem mich mein nächster Törn führen wird, Sven wird mich für immer begleiten.
Howdi Sven, farewell
Bilanz
22.08.2009
Nach Beendigung eines solchen Törns ist es an der Zeit ein wenig die Statistik zu bemühen. Wir haben in 53 Törntagen 2357sm zurückgelegt (Etwas geschönt, ca 10sm davon sind wir dabei vor Anker geschwoit). Davon lief 199:17 Std der Motor und hat uns 1088sm weit angetrieben. Versegelt haben wir stolze 1269sm. Wir sind durch 5 Hoheitsgebiete gefahren und sind dabei 31 verschieden Häfen oder Buchten angelaufen. 7 mal lagen wir vor Anker, 7 mal an Moorings vertäut und 29 mal in einer Marina am Steiger. Der teuerste Liegeplatz war Dublin mit 54,96€, der billigste Stellendam mit 22€. Von den 53 Tagen waren 8 geplante Hafentage und 5 wetterbedingte Zwangsaufenthalte. 6 Nächte sind wir komplett durchgefahren, bei weiteren 2 Nächten waren wir erst nach 1:30 am Ziel. Die längste zusammenhängende Fahrtstrecke war die Überfahrt nach Inverness, 588,7sm in 103 Std mit 3 Mann Crew. An zweiter Stelle die Überfahrt von Irland nach Plymouth, 263sm in 42Std zu zweit. Zwei weitere Etmals waren 147sm und 112sm lang. Sven hat es bis zum Verlassen in Dublin auf 1420sm gebracht, Holger kann auf 259sm zurückblicken.
Einen besonderes Lob und Dank muss ich unserem Schiff zollen. Mensch Klaus, weißt Du überhaupt, was für einen tollen Kahn wir da haben? Die Sya hat alle Wellen und so manchen Schlag problemlos weggesteckt. Unsere Segelfehler hat sie uns gutmütig verziehen und ist allen Kommandos treu gefolgt. Meistens lag sie völlig ausgeglichen am Ruder. Auf jeden Fall hatte ich bei allen erlebten etwas brenzligeren Situationen das Gefühl absoluter Sicherheit und Stabilität des Bootes. Das sie enorm viel Platz und Komfort bietet und gut aussieht brauchen wir hier ja nicht weiter zu erwähnen. Die erlebten Ausfälle und Pannen waren größtenteils altersbedingt und trotz sorgfältiger Vorbereitung vorher nicht auszuschließen.
Nun die Gretchenfrage: War es das wert und würdest Du es noch einmal machen?
Ich habe noch nie vorher eine so lange Zeit an Bord verbracht oder bin solche Etappen gesegelt, aber habe immer davon geträumt. Der Traum ist wahr geworden. Für manch einen mag ein solcher Törn keine große Sache sein, andere trauen sich noch nicht einmal auf die Nordsee. Ich bin stolz darauf, als Skipper diesen Törn geplant und durchgeführt zu haben. Die Vorbereitungen waren zwar Arbeit aber auch schon der Anfang der Reise (der Weg ist das Ziel). Die gesamte Planung hat gepasst, alles notwendige war an Bord und der Törn verlief daher reibungslos wie nach Fahrplan. Traumhafte Landschaften und eindrucksvolle Stimmungsbilder in Schottland sind mit Sicherheit der prägendste Teil der Tour. Ich habe viel gesehen (und fotografiert), Orte an denen ich noch nie vorher war und bei vielen mit Sicherheit auch nie zurückkehren werde. Neue Erfahrungen sind dazugekommen, ob sie notwendig waren und mich irgendwie weiterbringen muss die Zukunft zeigen. Aber auch von Ärger und tiefem Frust war die Fahrt nicht verschont. Es kann halt zwischenmenschlich sehr schwierig werden bei so langer Zeit auf so engem Raum. Ich habe für mich festgestellt, dass ich durchaus für einige Monate auf einem Boot leben kann. Ja, ich würde eine solche Tour wieder machen. Am liebsten natürlich mit meiner Frau und den Jungs. Das dies passieren könnte ist jedoch eher unwahrscheinlich. In absehbarer Zeit möchte ich allerdings nicht mehr so lange von zu Hause fort sein, abgesehen davon, dass die Rahmenbedingungen während meines restlichen Arbeitsleben wahrscheinlich sowieso nicht mehr passen werden. Die obige Frage stellt sich also so gar nicht..
So, geehrtes Auditorium. Dies ist das Ende meines Törnberichtes (falls mir nicht noch irgend etwas eminent wichtiges einfällt). Ich hoffe Ihr habt gnädig über die vielen Rechtschreibefehler hinweg gesehen, auch an der Kommaregel arbeite ich schon seit Jahren. Aber es kommt ja wie immer auf die Inhalte an. Vielen Dank für die treue Leserschaft und bis zum nächsten Törn
Wilfried
Der Kreis schließt sich
19.08.2009
Um 10:00 sind wir am 28.6.09 aus unserem Heimathafen mit Nordkurs ausgelaufen. Jetzt am 19.8.09 um 15:00 laufen wir aus Süden kommend wieder ein, der Kreis hat sich geschlossen. Die letzte Wache ist vorüber, unsere Sya liegt wieder gut vertäut in Ihrer Box P11 im Compagnieshaven in Enkhuizen. Helmut und ich haben es geschafft. Und das wahrlich im doppelten Sinne. Zum einen haben wir die Sya nach 53 Tagen auf See wieder heil in den Heimathafen zurückbefördert, zum anderen haben wir trotz unterschiedlicher Standpunkte und Meinungen den Törn mit Anstand zu Ende gebracht. Sicher – eine Frage der Ehre, aber trotzdem.
Fast hätten wir die letzte Etappe verschlafen, der Wecker war falsch gestellt. Trotzdem verlassen wir pünktlich um 6:00 die Sea Port Marina und müssen erst mal in den Noordzeekanaal schleusen. Mühsam quält sich die Sonne durch den Dunst nach oben und wir uns durch den Kanal Richtung Amsterdam. Um 9:05 haben wir die Stadtmitte erreicht, jetzt ist es nur noch ein Klacks bis zur Oranjesluiz. In der Schleuse macht ein junges Holländerpärchen bei uns fest, offensichtlich auch auf Langfahrt. Ich frage wo sie herkommen. Er macht mit dem Finger einen Kreis in die Luft und zeigt eine 2. Aha denke ich, genau wie wir: 2 Monate rund Schottland. Es waren aber dann doch 2 Jahre rund um die Welt. Es bleibt keine Zeit für Neid, die Schleuse öffnet und schon sind wir im Markermeer. Ein wenig Wind von Achtern hebt den Fahrtwind auf, an Bord herrscht Windstille. Sprayhood runter Bimini rauf, wenigstens entgehen wir so der Sonne. Das wissen auch die gefürchteten Markermeerfliegen zu schätzen und kommen wie erwartet zu Dutzenden an Bord. Drei Stunden quälen wir uns mit der Plage ab bis wir endlich das Naviduct von Enkhuizen erreichen. Es steht mir zu die letzten Meter in den Hafen zu steuern. Wenn auch keine überschwängliche Begrüßung, so kennt man uns wenigstens noch und registriert unsere Rückkehr (hatten wir aber telefonisch auch angekündigt um in jedem Fall eine freie Box vorzufinden). Diesel und Gas bunkern dann geht’s zu unserem Liegeplatz. Um 15:30 haben wir alles vertäut. Heute Abend gibt es ein Festessen in der Mastenbar, der eine oder andere Schluck Wein auf das Törnende wird sicherlich auch dabei sein. Morgen dann erst mal das ganze Salz von Bord spülen, ein kräftiger Regen wäre jetzt schön. Dann noch schnell das Schiff aufgeklart und die Klamotten gepackt. Am Nachmittag kommt dann wohl der gefährlichste Part der ganzen Reise: Die Rückfahrt mit dem Auto nach Düsseldorf.
Übrigens: Ein post wird noch folgen, also dranbleiben.
Ein unwürdiger Abgang
18.08.2009
Eigentlich müsste man bei diesen Bedingungen im Hafen abwettern und auf andere Wetterverhältnisse warten. Aber wir haben Heimweh und so fahren wir los. Es ist ein wahrlich unwürdiger Abgang für den letzten Tag auf offener See. Kaum Wind, keine Welle und die Sonne brät schon am frühen Morgen. Wir kommen zügig durch die Schleuse und motoren tapfer die 7sm durchs Slijkgat zur offenen See. Dort setzten wir das Groß weil’s einfach schöner aussieht und ein bisschen Werbung kann ja auch nichts schaden. Natürlich wird auch der Motorkegel gehiesst, wir wissen ja was sich gehört. Gut so, denn vor Hoek von Holland lungert die Küstenwache herum, heutzutage seefahrende Knöllchenschreiber. Vorbei an Rotterdam gehen wir an die Küste um wenigstens etwas zu sehen zu können. Es ist zwar recht diesig, aber das kann sich ja bis Zandvoort noch legen. Vorher gibt es sowieso nichts interessantes zu entdecken. Um 13:30 haben wir Scheveningen passiert. Die nächste Einfahrt ist unsere. Aber vorher müssen noch diverse Badeorte umschifft werden. Wir hangeln uns an der 5m Tiefenlinie entlang, passieren Katwijk, Noordwijk und schließlich um16:20 den Strand von Zandvoort. Sieht aus wie vor 20, 30 Jahren, als wir ein paar mal zum Urlaub hier waren. Auch die Clubs stehen noch, allerdings in neuer Farbe. Mein Gott waren wir damals jung. Nun sind es nur noch 5sm bis zur Einfahrt Ijmuiden. Wir fahren in die Seaport Marina, der Sixhaven im Herzen von Amsterdam ist um diese Uhrzeit sowieso schon brechend voll. Per Telefon fragen wir nach einem Liegeplatz. Irgendwo am Steiger A wie Apple wie ich nach mehrfachem Nachfragen deute. Wieso gibt es eigentlich ein seemännisches Alphabet wo A unmissverständlich mit Alpha benannt wird? Sei’s drum. Der Steiger A entpuppt sich als Sammellager für Steigerabschnitte als hätte hier jemand ein übergroßes Dominospiel aufgebaut. Irgendwie belegen wir recht krumm, eine merkwürdige Art Gastlieger unterzubringen. Natürlich sind wir zu spät dran und die Geschäfte haben geschlossen. Klar, hier ist der Unterschied von Bordzeit und Ortszeit ja wieder 2 Stunden. Ein paar Guiness in der Kneipe und wir können den Wirt überreden uns zwei Flaschen Wein außer Haus zu verkaufen. Der Wein ist fast billiger als das Bier. Das letzte Bordessen besteht aus aufgewärmten Resten. Wir wollen ja nichts verkommen lassen. Früh geht’s ins Bett, morgen wollen wir pünktlich in Enkhuizen ankommen. Auf die für morgen angekündigten 33° im Markermeer freue ich mich schon besonders.
Helmut: Noch eine Anmerkung zur Wetterprognose. Wilfried`s persönliche Prognose lies sich ganz einfach an seinem ungewöhnlichen, seemännischen Verhalten ablesen: Nach der letzten Brücke beim Verlasen von Stellendam werden weder die Fender noch die Festmacher verstaut. Unsere Badehandtücher hängen auch noch auf der „Leine“. Mann könnte meinen wir wollten mal eben die 9 SM von Lemmer nach Stavoren oder irgendwo im Mittelmeer von einer Bucht zur Andern aber nicht 60 SM über die Nordsee. Am Ende haben wir alles richtig gemacht, Segel runter und anlegen ohne die üblichen Vorbereitungen, ist ja alles schon an seinem Platz.
Vier auf einen Streich
17.08.2009
Wir sind zurück in Holland.
Pünktlich um 17:00 haben wir uns gestern bei Dover Port Control die Genehmigung zum Auslaufen geben lassen. Im Hafen bläst es mächtig, wir schätzen den Wind draußen auf 6bf. Das kann ja ein heißer Ritt werden. Kaum haben wir den Schutz der Hafenmohle verlassen, empfängt uns eine ordentliche Welle. Der Wind ist mit 5bf eigentlich moderat. Ein Reff ins Groß und Genua voll raus ist dann doch zu viel. Also auch die Genua eingerollt, so geht’s. Wir laufen bei halben Wind rechtwinklig auf das Trennungsgebiet zu, dass fast die Hälfte der Strecke Dover – Calais ausmacht. Hier ist das Nadelöhr des Kanals und Calais ist im Dunst am anderen Ufer sichtbar. Entsprechend geht auch verkehrsmäßig hier die Post ab. Unsere Ziel ist es, diese Gefahrenstelle beim letzten Tageslicht zu passieren und dann im Dunkeln die Küste rauf zu segeln. Also rein ins Vergnügen. Es wird eine rasante Fahrt mit bis zu 9kn und mächtigem auf und ab in den Wellenbergen. Schon der erste Dampfer nimmt uns aufs Korn. Doch er fährt außerhalb des Fahrwassers und ist ausweichpflichtig, ob er das auch weiß? Dover Port Control ermahnt Ihn und er weicht aus. Die anderen flutschen gerade vor uns durch und wir haben den Weg frei. Beruhigend, das es neben der Sichteinschätzung auch AIS neu an Bord gibt, welches mir alle Schiffe mit Kurs, Speed und Distanz auf den Plotter legt. Um 19:30 haben wir es hinter uns und können auf Vorwindkurs abdrehen. Dabei hatten wir um 18:27 die Grenze England – Frankreich passiert. An Calais und Dunkerque vorbei, lassen wir um 0:11 die Grenze Frankreich – Belgien hinter uns. Wir sind inzwischen zum Schichtwechsel übergegangen, als Helmut mich hochruft: Am Horizont eine brennende Bohrinsel. Glaub ich nicht, Bohrinseln gibt’s hier nicht. Aber eine schlüssige Erklärung habe ich auch nicht. Also erst mal Ruhe bewahren und näher ranfahren. Der Brand mutiert zum Flächenbrand und entpuppt sich letztlich zu einer riesigen Ansammlung von Frachtschiffen auf Reede. Kurz hinter dem Fahrwasser Oostende liegen sie hier auf engem Raum, beleuchtet wie Weihnachtsbäume. Wir cirkeln uns durch die Ankerlieger – aufgepasst einer fährt doch statt zu parken. Gutgegangen. Der Wind schläft prognosegerecht ein, wir starten den Motor. Um 7:35 ist es dann soweit: die Sya ist zurück in Ihren Heimatgewässern, wir passieren die holländische Grenze. Vier Länder auf einen Streich, wer hat das schon auf seiner Fahne? Um 12:00 kommt noch ein mal ein wenig Wind zurück. Ehrensache und für die Statistik (wir hatten sowieso sonst nicht weiteres für heute geplant) segeln wir bis vor die Hafeneinfahrt. Endlich mal wieder schleusen und um 15:22 machen wir nach 147sm in der Marina von Stellendam fest. Neues Hafengebäude mit einem schicken Restaurant (entsprechende Preise) und Designerduschen. Die besten Sanitäranlagen die wir bis jetzt benutzen konnten. Ich koche aus dem Übrigbleibsel Abendessen, original Ama Triciana wie mir Helmut glaubhaft versichert. Jetzt geht’s mit Riesenschritten zum Heimathafen Enkhuizen.
Nachtrag: Wir trauern um den Verlust unseres geliebten Sitzkissens, welches uns, durch eine mörderische Hecksee, mitten aus der Benutzung entrissen wurde. Nordsee ist Mordsee.
Auf zum Festland
16.08.2009
15.8.09: Eigentlich wäre 12:00 die ideale Startzeit für Tide und Zeitplanung auf unserem Weg nach Dover. Aber uns hält nichts in Newhaven. Auch heute morgen ist keiner da, kein Service und damit allerdings auch keine Hafengebühr. Wir werden zwar ein wenig Strom gegen an haben, aber dafür nicht mitten in der Nacht ankommen. 20:00 sollte zu schaffen sein. Zwei Heads sind noch zu runden. Beach Head erreichen wir um 11:20. Erstaunlich wie die Engländer ihre Küstenlinie zu Badeattraktionen ausgebaut haben. Befestigungsanlagen und Badevergnügen – wie geht das eigentlich zusammen? Das zweite, Kap Dungeness zieht sich viel länger hin. Wir segeln inzwischen Butterfly mit Bullenstander im Groß und ausgebaumter Genua. Angenehmes und sicheres Segeln bei 4-5 bf und zeitweise bis 8sm über Grund. Aber auch das letzte Kap an der englischen Küste verliert gegen 16:20; noch ca 18sm bis Dover. Um 19:00 stehen wir vor der Westeinfahrt von Dover Harbour. Port Controll um Einfahrtserlaubnis anfunken, dann rein. Vor dem Hafen steht inzwischen eine ordentliche Welle, aufklaren erledigen wir im Vorhafen. In der Marina gibt es noch ein Plätzchen im Tidal Harbour (man muss durch keine Schleuse). Schnell in die Stadt zum Essen, wer weiß wie lange die hier auf haben. Wir finden einen echten Italiener und essen Brazino, meinen Lieblingsfisch. Zurück an Bord ein kleines Highlight: Das Netz, für das ich einen Monatszugang bezahlt habe, ist hier verfügbar. Ihr kommt in den Genuss neuer Nachrichten, ich an neue Anfragen aus meinem Büro. That’s life. Die Tage in England sind gezählt. Morgen werden wir die Insel Richtung Festland verlassen. Zählt man die „besetzen Gebiete“ Schottland und Irland nicht mit, waren wir auf unserem Törn rund England nur 10 Tage in englischen Häfen.
16.8.09: Für heute hat sich hoher Besuch angekündigt. Renate hat sich auf den Weg gemacht, um uns von England zu verabschieden. Seit Beginn der Reiseplanung hatten Renate und ich verabredet, das Sie uns irgendwo mit Ihrem Mann Julian besuchen kommt. Eventuell wollte Sie auch einen Schlag mitsegeln. Hat aber alles nicht geklappt und so kommt Sie heute, leider ohne Julien, sozusagen auf den letzten Drücker. Unsere Abfahrt haben wir auf 17:00 verschoben und segeln dann in die Nacht. Um 11:45 hat Renate die 3 Stunden Anreise hinter sich gebracht und kommt an Bord. Als Gastgeschenk bringt Sie frisch gebackenes Brot mit, welches wir heute nacht verkosten werden. Wir schnacken ein wenig und gehen dann zum Lunch ins Hafenrestaurant. Wir haben Glück. Es gibt einen Lifeact mit guten britischen Songs und einer jüngeren Ausgabe von Rod Steward. Man kann zwar fast sein eigenes Wort nicht verstehen, aber die Musik ist gut. Aber alles geht einmal zu Ende und wir machen uns wieder auf zum Boot. Schließlich muss dieser post noch vor unserer Abfahrt unter die Leute gebracht werden. Es war eine schöne Abwechslung Renate hier gehabt zu haben. Trotzdem fällt der Abschied nicht allzu schwer, sehen wir uns ja im Oktober schon wieder; wie gewohnt zur gemeinsamen Arbeit.
Renate: better late than never. Jetzt habe ich mich jedenfalls persönlich davon überzeugen können, dass es den Jungs gut geht und sie sich keinen Skorbut oder sonstige maritimen Erkrankungen zugezogen haben. Es war wirklich schön, ein paar gemeinsame Stunden im Sonnenschein (sehr selten diesen Sommer) zu verbringen und Wilfried und Helmut zu verabschieden und eine gute Rückfahrt zu wünschen. Mir fällt der Abschied schon schwer, aber ich bin ja auch nicht auf dem Heimweg, sondern kämpfe mich auf der M25 entlang auf den Weg ins Büro, damit ich nicht die ganze Strecke bis Northamptonshire zurücklegen muss. Also, gute Reise, passt gut auf Euch auf im Kanal and see you again in Düsseldorf.
Newhaven
14.08.2009
Um 8:00 verlassen wir Cowes. Unser Nachbar hat Wort gehalten und gibt uns den Weg aus der Box frei. An Portsmouth vorbei passieren wir die östlichen Befestigungsanlagen des Solent : No Man’s Land Fort. Dann geht’s durch die Untiefen ‚The Looe’, an Boulder und Street vorbei in Richtung Newhaven. Es ist diesig, aber trocken,. Kein Tag für Fotos oder Überraschungen. Aber wir segeln, der Grund warum wir diese Reise überhaupt angetreten sind. Der Wind bringt uns gerade soviel Fahrt, das ein Starten des Motors nichts mehr an Fahrt geben würde, aber die Kalkulation für die angesetzte Stecke arg strapaziert wird. So ist das beim Segeln, da muss man durch. Um 18:20 haben wir es geschafft und legen nach 65sm in der Marina an. Platzzuweisung, Hafenmeister – nada, wir helfen uns selbst. Newhaven ist eigentlich ein Wortwitz, alles ist recht verkommen. Direkt gegenüber der Marina legen nachts lautstark die Monsterfähren aus Frankreich an. Was die hier wollen? Egal, kein Code für die Sanitäranlagen, keine Stadtszene in Sichtweite, mich zieht nichts von Bord. Noch bietet unsere Einkaufsreserve genügend Auswahl. Nach dem Essen lege ich mich direkt in die Koje. Eine leichte Grippe scheint im Anzug, vielleicht lässt sie sich ja bei ordentlich Schlaf ausschwitzen. Helmut ist wie immer nachtaktiv, scheint aber auch nicht das richtige gefunden zu haben. So gehen bei uns früh die Lichter aus.
Cowes, das Mekka für Segler
13.08.2009
Nachtrag für Weymouth: Weymouth und die angrenzende große Bucht des Portland Harbour sind die Austragungsstätten der Segler bei der Olympiade 2012 in England. Eine neue große Marina ist immerhin schon im Bau.
Wir sind im Solent, mitten im Herzen des englischen Segelsports. Jeder von Rang und Namen war schon hier. Wir jetzt auch. Hier ist das Zentrum des Segellebens und hat seinen Höhepunkt mit der Cowes-Week, die wir geplanter Weise verpasst haben. Aber auch den Rummel um den Start des diesjährigen Fastnet Races haben wir knapp versäumt. Hier gibt es nur noch die Aufräumarbeiten zu sehen, Großraumzelte die abgebaut werden, Unmengen von Bierfässern und sonstigen Überresten.. Aber da war ja noch die Anreise
11.8.09: Morgens aufstehen, duschen kann man auch in Cowes, und raus. Segelsetzen, dann übernimmt Helmut die erste Wache und ich soll mich für 2 Stunden noch mal hinlegen. Kaum unter Deck kommt die Frage: Können wir noch schnell ein Segelkommando machen? Eine halbe Stunde später haben wir so ziemlich alles ausprobiert und sind genauso klug wie am Anfang. Der Wind ist sowieso zu schwach, die berechneten 3 Stunden bis Sain’t Alban’s Head sind so nicht zu halten. Nicht schon wieder gegen die Strömung, also Motor an. Ich lege mich hin und wechsele Helmut nach 2 Stunden ab. Am Kap sind wir wie geplant bei Slackwater (Tidenstillstand ohne Wasserturbulenzen) und können dicht unter Land passieren. Ein paar Meilen geht es ohne Motor und die Flut fängt an uns zusätzlich zu schieben. Aber der Wind überlegt es sich wieder und geht auch noch mal schlafen. Also wieder Motor an. Ab Einfahrt in das Fahrwasser des West Solent nimmt der Strom richtig zu. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort und werden mit zusätzlichen 3,5kn Fahrt belohnt. So passieren wir die imposante Befestigungsanlage beim Hurst Point, dann weiter an Yarmouth und Lymington vorbei zur Nordspitze der Isle of Wight. Kaum haben wir die Abzweigung nach Southampton hinter uns gelassen haben wir um 12:00 auch schon Cowes erreicht. Wir fahren einmal den River Medina abwärts und schauen uns alle Liegemöglichkeiten vom Wasser aus an. Vorsicht ist beim passieren der Kettenfähre über den Fluss angesagt, sie fährt unverhofft los und eine gespannte Kette am Kiel ist bestimmt auch kein Vergnügen. Die Stadt macht schon vom Wasser einen interessanten und lebhaften Eindruck, die Zahl der Boote in den Marinas ist jedoch bei weitem geringer als wir befürchtet hatten. Wir entscheiden uns für die Cowes Marina mitten im Zentrum der Stadt und bekommen auch problemlos einen Liegeplatz zugewiesen. Mit 25 Pfund ist der Preis auch sehr moderat, wir sind angenehm überrascht. So früh angekommen bietet sich ein Mittagsschläfchen an, besonders weil plötzlich der Sommer ausbricht und man am besten im Schatten die Hitzewelle verdöst. Als ich wieder aufwache ist Helmut schon zur ersten Stadterkundung aufgebrochen. Dann erst mal duschen und …. rasieren, hatte ich bei der langen Überfahrt wohl irgendwie vergessen. Später am Abend wird die Marina dann doch noch voller, es dominieren hier vor allem die Holländer. Wir gehen indisch Essen und werden sehr aufmerksam bedient. Den Wein zum Essen besorgt man uns vom benachbarten Supermarkt und wir dürfen ihn dann im Restaurant verzehren. Andere Gäste kennen das wohl schon und bringen Ihre Weinflaschen in Plastiktüten direkt mit. Man lernt nie aus. Spät wird es nicht, das Etappenschlafen ersetzt doch keinen Tiefschlaf und so sind wir für unsere Verhältnisse zeitig im Bett.
12.8.09: Heute mache ich Bürotag. Helmut fährt mit Bus und Fähre nach Portsmouth und besichtigt dort einige Museumsschiffe. Ich lege gleich los und lade erst mal alles notwendige von unserem Server. Das bezahlte WiFi gibt es hier zwar auch nicht, aber das Fastnet Race beschert mir einen kostenlosen Netzzugang. Mittags wird dann meine Befürchtung wahr: Mit Abschluss der Aufräumarbeiten wird auch das Netz eingestellt. Die letzten Dateien versende ich nachmittags in einem Cafe, wo man bei Verzehr (Kaffe für 1,20 Pfund) das hauseigene Netzwerk nutzen kann. Na also, geht doch. Dort werde ich dann morgen auch frühstücken und die letzten Dateien auf den Weg bringen. Als Helmut zurück kommt, beschließen wir das Bordessen auf morgen zu verschieben und gehen statt dessen noch einmal aus. Ziel ist ein kleiner Portugiese im der benachbarten Marina. Eine gute Wahl. Der gegrillte Fisch, den wir bestellen, schmeckt ausgezeichnet. Danach noch einen Absacker im „The Duke of Yorck“. Mir reichts für heute, ich gehe schon vor an Bord und falle auch bald in meine Koje. Wie ich am nächsten Morgen feststellen kann, hat auch Helmut irgendwann das Schiff wiedergefunden.
13.8.09: Morgens schnell ins Cafe, frühstücken und die letzten Büroarbeiten für heute erledigen. Dann ein Rundschlag im örtlichen CooP. Tolle Auswahl, wie überhaupt die Lidl’s, Aldis und CooP’s in Irland und England uns doch sehr vertraut erscheinen. Gleiches Sortiment, gleiche Aufteilung nur die Etiketten sind in englischer Sprache. Danach trennen wir uns wieder. Helmut hat Cowes schon erlaufen, Ihn zieht es mit dem Bus aufs Land. Ich starte also meine Stadterkundung alleine. Erst mit der Kettenfähre nach East Cowes, dann zurück und einmal durchs Zentrum bis zum Starthafen des Fastnet Races. Geschäfte aller Art, vom Trödler bis zum Juwelier, Restaurants vom Fisch and Chips bis zum Sternelokal und jede Menge Pups und natürlich alle Segelclubs liegen in friedlicher Eintracht nebeneinander. Ein urbanes, buntes Bild in das sich Touristen und die Segler aus allen Nationen nahtlos einpassen. Ja, man sollte als Segler schon einmal hier gewesen sein. Doch 2 Hafentage reichen auch. Heute kocht Helmut an Bord, dann noch einmal die nächsten Törndaten abgleichen und morgen früh geht’s dann weiter. Noch 5 Häfen anlaufen, dann sollten wir zurück in Enkhuizen sein. Zumindest bei mit stellt sich immer mehr eine mächtige Vorfreude auf Zuhause ein. Auf meine Frau Iris, die ‚Jungs’ Gonzo und Conrad und auf Familie und Freunde.
Schatz, es dauert nicht mehr lange, dann bin ich zurück.
Weymouth
10.08.2009
Um 7:00 Auslaufen. Diesmal wollen wir nicht zu spät am Kap sein. Das Bill of Portland ist das berüchtigtste Kap an der englischen Südküste. Zur falschen Zeit am falschen Ort und Du hast bis 7kn Strom gegen an bei entsprechender Kreuzsee. Unser Motor bringt bei Marschfahrt gerade mal 5,5kn, den Rest könnt Ihr euch ja ausmalen. Aber erst mal stimmt uns das Wetter wieder versöhnlich: Nass, diesig aber Wind, englisch halt. Der Wind strauchelt zwar anfänglich etwas, entwickelt sich dann aber doch zu beständigem SW 4-5. Ein herrlicher Segeltag mit raumschotem Kurs. Ab 9:00 läuft die Flotte des diesjährigen Fastnet Races an uns vorbei. Die Jungs müssen aufkreuzen, kein Spaß bei dem Wetter und im Westen soll es noch dicker kommen. Aber davon können wir ja auch ein Stück mitreden. Gegen 11:00 knacke ich dann gleich mehrere Rekorde: 400sm auf unserer Wasser-Logge, 1000sm unter Segeln bei diesem Törn und 9,54kn Speed als neue Höchtsmarke seit Schottland. Helmut toppt leider später mit 10,1kn (bleibt noch meine Höchstmarke von 10,6kn). Dank des Windes sind wir sogar zu früh am Kap. Nach Studium der Tidentafeln entscheiden wir, das Kap weiträumig zu umfahren. Die Rechnung geht auf. Wir bleiben in der Strömung und erreichen unser Ziel Weymouth um 15:00 nach 63sm unter Segeln. Ursprünglich wollten wir in die Marina hinter der Fußgängerbrücke. Aber warum nicht mitten in der Stadt im Päckchen liegen? Also zum Hafenmeister und uns einen Platz zuweisen lassen. Von seiner Residenz im ersten Stock des Hafenbüros zeigt er auf den Steiger unmittelbar vor sich. Wir haben im Lotto gewonnen. Mitten in der Innenstadt, direkt vor den Vorsorgungseinrichtungen und dem örtlichen Segelclub unmittelbar am Steiger. Also erst mal Landgang. Die Stadt ist zwar auch voll, aber ungemein reizvoll. Wir schlendern einmal durch das Zentrum und fotografieren die Sya aus allen Perspektiven. Essen wollten wir eigentlich im Club, der hat aber Probleme mit seinem Herd und fällt aus. Der nächste Pup ist so schmierig, dass wir entscheiden an Bord zu kochen. Noch haben wir ja Vorräte. Helmut zaubert Raviolli aus der Dose, dazu einen frischen Salat. Danach noch einmal rauf in den Club, hier gibt es endlich wieder ein freies Netz für Member und Friends. Cris, der Barmann umsorgt uns als einzige Gäste, der Club hat erst seit Neuem Montags geöffnet. Nun bin ich wieder up to date mit meiner Berichterstattung. Morgen geht’s um 4:30 raus Richtung Cowes. Ein Muss für jeden Segler, der im Solent unterwegs ist. Ich bin gespannt was uns dort erwartet.
Brixham
09.08.2009
Früh am Morgen die Ernüchterung: Kein Wind. Erst mal tanken fahren. Die Fahrt von Irland nach England war teuer. Wir tanken ca 72ltr nach und entsprechen damit 100% meiner Tankberechnung. Immerhin. Dann also mal wieder unter Motor dem nächsten Ziel entgegen. Die Bay of Tor soll es sein, auch wenn Helmuts Nachtbekanntschaft Dartmouth favorisiert. In der Bucht gibt es zwei Häfen, beide mit Liegeplätzen an Schwimmstegen. Bevor wir dort sind, müssen wir allerdings das Kap Start Point umrunden. Kurz davor passieren wir Salcombe und bekommen gratis das Spektakel einer Flugvorführung der Red Arrows geliefert. Über eine halbe Stunde lang brausen die Fighter in atemberaubenden Formationen und mit viel buntem Nebel vor und über uns hinweg. Da macht es nichts, dass wir am Kap mal wieder etwas zu spät sind und deshalb leichte Gegenströmung bekommen. Ich versuche per Telefon herauszubekommen, welcher Hafen welches Netz bietet, um Abends online zu sein. Schließlich habe ich für einen Monat Netzzugang bei Oceanwave bezahlt, die angeblich überall an der Südküste vertreten sind, und auch vom britischen Marineverband empfohlen werden. Wie sich herausstellt, haben beide Orte dasselbe Netz, aber eben nicht meins. Dann also in den ersten erreichbaren Ort, von dem wir auch schon eine Liegeplatznummer bekommen haben. Brixham wird als für England wichtiger Fischereihafen beschrieben ist aber nach unserer Einschätzung inzwischen ein weiterer Ferienort für Sommertouristen. Auf Empfehlung unseres Handbuches machen wir uns auf zum örtlichen Segelclub. Hier soll man herzlich willkommen sein und die Küche wird ausdrücklich gelobt. Aber die Tore sind verschlossen. Vor dem Club ein Passant, wie sich herausstellt der Commandore des Clubs. Natürlich ist Sonntags geschlossen, was er sehr für uns bedauert. Wenigstens gibt er uns eine Ausweichadresse zum Dinner. Der Tipp hat sich gelohnt. Im Poopdeck gibt es eine sehr aufmerksame Bedienung und hervorragendes Fischessen. Das Ganze zu moderaten Preisen. Wir sind begeistert und genießen das Essen. Auf dem Rückweg zum Boot zieht uns Lifemusik aus einer eher schmuddeligen Kneipe an. Wir gehen auf ein Glas rein und erleben die vielleicht nächste Amy life. Meine Fotos soll ich Ihr unbedingt mailen, dafür bekomme ich den signierten ersten Record, wir werden sehen. Zurück an Bord noch das Aufstehen abstimmen, ein paar gegenseitige Komplimente werden ausgetauscht, dann ist es Zeit für die Koje.
