Schottland, Whisky und Meer
Vier auf einen Streich
17.08.2009
Wir sind zurück in Holland.
Pünktlich um 17:00 haben wir uns gestern bei Dover Port Control die Genehmigung zum Auslaufen geben lassen. Im Hafen bläst es mächtig, wir schätzen den Wind draußen auf 6bf. Das kann ja ein heißer Ritt werden. Kaum haben wir den Schutz der Hafenmohle verlassen, empfängt uns eine ordentliche Welle. Der Wind ist mit 5bf eigentlich moderat. Ein Reff ins Groß und Genua voll raus ist dann doch zu viel. Also auch die Genua eingerollt, so geht’s. Wir laufen bei halben Wind rechtwinklig auf das Trennungsgebiet zu, dass fast die Hälfte der Strecke Dover – Calais ausmacht. Hier ist das Nadelöhr des Kanals und Calais ist im Dunst am anderen Ufer sichtbar. Entsprechend geht auch verkehrsmäßig hier die Post ab. Unsere Ziel ist es, diese Gefahrenstelle beim letzten Tageslicht zu passieren und dann im Dunkeln die Küste rauf zu segeln. Also rein ins Vergnügen. Es wird eine rasante Fahrt mit bis zu 9kn und mächtigem auf und ab in den Wellenbergen. Schon der erste Dampfer nimmt uns aufs Korn. Doch er fährt außerhalb des Fahrwassers und ist ausweichpflichtig, ob er das auch weiß? Dover Port Control ermahnt Ihn und er weicht aus. Die anderen flutschen gerade vor uns durch und wir haben den Weg frei. Beruhigend, das es neben der Sichteinschätzung auch AIS neu an Bord gibt, welches mir alle Schiffe mit Kurs, Speed und Distanz auf den Plotter legt. Um 19:30 haben wir es hinter uns und können auf Vorwindkurs abdrehen. Dabei hatten wir um 18:27 die Grenze England – Frankreich passiert. An Calais und Dunkerque vorbei, lassen wir um 0:11 die Grenze Frankreich – Belgien hinter uns. Wir sind inzwischen zum Schichtwechsel übergegangen, als Helmut mich hochruft: Am Horizont eine brennende Bohrinsel. Glaub ich nicht, Bohrinseln gibt’s hier nicht. Aber eine schlüssige Erklärung habe ich auch nicht. Also erst mal Ruhe bewahren und näher ranfahren. Der Brand mutiert zum Flächenbrand und entpuppt sich letztlich zu einer riesigen Ansammlung von Frachtschiffen auf Reede. Kurz hinter dem Fahrwasser Oostende liegen sie hier auf engem Raum, beleuchtet wie Weihnachtsbäume. Wir cirkeln uns durch die Ankerlieger – aufgepasst einer fährt doch statt zu parken. Gutgegangen. Der Wind schläft prognosegerecht ein, wir starten den Motor. Um 7:35 ist es dann soweit: die Sya ist zurück in Ihren Heimatgewässern, wir passieren die holländische Grenze. Vier Länder auf einen Streich, wer hat das schon auf seiner Fahne? Um 12:00 kommt noch ein mal ein wenig Wind zurück. Ehrensache und für die Statistik (wir hatten sowieso sonst nicht weiteres für heute geplant) segeln wir bis vor die Hafeneinfahrt. Endlich mal wieder schleusen und um 15:22 machen wir nach 147sm in der Marina von Stellendam fest. Neues Hafengebäude mit einem schicken Restaurant (entsprechende Preise) und Designerduschen. Die besten Sanitäranlagen die wir bis jetzt benutzen konnten. Ich koche aus dem Übrigbleibsel Abendessen, original Ama Triciana wie mir Helmut glaubhaft versichert. Jetzt geht’s mit Riesenschritten zum Heimathafen Enkhuizen.
Nachtrag: Wir trauern um den Verlust unseres geliebten Sitzkissens, welches uns, durch eine mörderische Hecksee, mitten aus der Benutzung entrissen wurde. Nordsee ist Mordsee.

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