Schottland, Whisky und Meer

N 52° 27' O 04° 33'

Ein unwürdiger Abgang

18.08.2009

Eigentlich müsste man bei diesen Bedingungen im Hafen abwettern und auf andere Wetterverhältnisse warten. Aber wir haben Heimweh und so fahren wir los. Es ist ein wahrlich unwürdiger Abgang für den letzten Tag auf offener See. Kaum Wind, keine Welle und die Sonne brät schon am frühen Morgen. Wir kommen zügig durch die Schleuse und motoren tapfer die 7sm durchs Slijkgat zur offenen See. Dort setzten wir das Groß weil’s einfach schöner aussieht und ein bisschen Werbung kann ja auch nichts schaden. Natürlich wird auch der Motorkegel gehiesst, wir wissen ja was sich gehört. Gut so, denn vor Hoek von Holland lungert die Küstenwache herum, heutzutage seefahrende Knöllchenschreiber. Vorbei an Rotterdam gehen wir an die Küste um wenigstens etwas zu sehen zu können. Es ist zwar recht diesig, aber das kann sich ja bis Zandvoort noch legen. Vorher gibt es sowieso nichts interessantes zu entdecken. Um 13:30 haben wir Scheveningen passiert. Die nächste Einfahrt ist unsere. Aber vorher müssen noch diverse Badeorte umschifft werden. Wir hangeln uns an der 5m Tiefenlinie entlang, passieren Katwijk, Noordwijk und schließlich um16:20 den Strand von Zandvoort. Sieht aus wie vor 20, 30 Jahren, als wir ein paar mal zum Urlaub hier waren. Auch die Clubs stehen noch, allerdings in neuer Farbe. Mein Gott waren wir damals jung. Nun sind es nur noch 5sm bis zur Einfahrt Ijmuiden. Wir fahren in die Seaport Marina, der Sixhaven im Herzen von Amsterdam ist um diese Uhrzeit sowieso schon brechend voll. Per Telefon fragen wir nach einem Liegeplatz. Irgendwo am Steiger A wie Apple wie ich nach mehrfachem Nachfragen deute. Wieso gibt es eigentlich ein seemännisches Alphabet wo A unmissverständlich mit Alpha benannt wird? Sei’s drum. Der Steiger A entpuppt sich als Sammellager für Steigerabschnitte als hätte hier jemand ein übergroßes Dominospiel aufgebaut. Irgendwie belegen wir recht krumm, eine merkwürdige Art Gastlieger unterzubringen. Natürlich sind wir zu spät dran und die Geschäfte haben geschlossen. Klar, hier ist der Unterschied von Bordzeit und Ortszeit ja wieder 2 Stunden. Ein paar Guiness in der Kneipe und wir können den Wirt überreden uns zwei Flaschen Wein außer Haus zu verkaufen. Der Wein ist fast billiger als das Bier. Das letzte Bordessen besteht aus aufgewärmten Resten. Wir wollen ja nichts verkommen lassen. Früh geht’s ins Bett, morgen wollen wir pünktlich in Enkhuizen ankommen. Auf die für morgen angekündigten 33° im Markermeer freue ich mich schon besonders.

Helmut: Noch eine Anmerkung zur Wetterprognose. Wilfried`s persönliche Prognose lies sich ganz einfach an seinem ungewöhnlichen, seemännischen Verhalten ablesen: Nach der letzten Brücke beim Verlasen von Stellendam werden weder die Fender noch die Festmacher verstaut. Unsere Badehandtücher hängen auch noch auf der „Leine“. Mann könnte meinen wir wollten mal eben die 9 SM von Lemmer nach Stavoren oder irgendwo im Mittelmeer von einer Bucht zur Andern aber nicht 60 SM über die Nordsee. Am Ende haben wir alles richtig gemacht, Segel runter und anlegen ohne die üblichen Vorbereitungen, ist ja alles schon an seinem Platz.

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