Schottland, Whisky und Meer
Bilanz
22.08.2009
Nach Beendigung eines solchen Törns ist es an der Zeit ein wenig die Statistik zu bemühen. Wir haben in 53 Törntagen 2357sm zurückgelegt (Etwas geschönt, ca 10sm davon sind wir dabei vor Anker geschwoit). Davon lief 199:17 Std der Motor und hat uns 1088sm weit angetrieben. Versegelt haben wir stolze 1269sm. Wir sind durch 5 Hoheitsgebiete gefahren und sind dabei 31 verschieden Häfen oder Buchten angelaufen. 7 mal lagen wir vor Anker, 7 mal an Moorings vertäut und 29 mal in einer Marina am Steiger. Der teuerste Liegeplatz war Dublin mit 54,96€, der billigste Stellendam mit 22€. Von den 53 Tagen waren 8 geplante Hafentage und 5 wetterbedingte Zwangsaufenthalte. 6 Nächte sind wir komplett durchgefahren, bei weiteren 2 Nächten waren wir erst nach 1:30 am Ziel. Die längste zusammenhängende Fahrtstrecke war die Überfahrt nach Inverness, 588,7sm in 103 Std mit 3 Mann Crew. An zweiter Stelle die Überfahrt von Irland nach Plymouth, 263sm in 42Std zu zweit. Zwei weitere Etmals waren 147sm und 112sm lang. Sven hat es bis zum Verlassen in Dublin auf 1420sm gebracht, Holger kann auf 259sm zurückblicken.
Einen besonderes Lob und Dank muss ich unserem Schiff zollen. Mensch Klaus, weißt Du überhaupt, was für einen tollen Kahn wir da haben? Die Sya hat alle Wellen und so manchen Schlag problemlos weggesteckt. Unsere Segelfehler hat sie uns gutmütig verziehen und ist allen Kommandos treu gefolgt. Meistens lag sie völlig ausgeglichen am Ruder. Auf jeden Fall hatte ich bei allen erlebten etwas brenzligeren Situationen das Gefühl absoluter Sicherheit und Stabilität des Bootes. Das sie enorm viel Platz und Komfort bietet und gut aussieht brauchen wir hier ja nicht weiter zu erwähnen. Die erlebten Ausfälle und Pannen waren größtenteils altersbedingt und trotz sorgfältiger Vorbereitung vorher nicht auszuschließen.
Nun die Gretchenfrage: War es das wert und würdest Du es noch einmal machen?
Ich habe noch nie vorher eine so lange Zeit an Bord verbracht oder bin solche Etappen gesegelt, aber habe immer davon geträumt. Der Traum ist wahr geworden. Für manch einen mag ein solcher Törn keine große Sache sein, andere trauen sich noch nicht einmal auf die Nordsee. Ich bin stolz darauf, als Skipper diesen Törn geplant und durchgeführt zu haben. Die Vorbereitungen waren zwar Arbeit aber auch schon der Anfang der Reise (der Weg ist das Ziel). Die gesamte Planung hat gepasst, alles notwendige war an Bord und der Törn verlief daher reibungslos wie nach Fahrplan. Traumhafte Landschaften und eindrucksvolle Stimmungsbilder in Schottland sind mit Sicherheit der prägendste Teil der Tour. Ich habe viel gesehen (und fotografiert), Orte an denen ich noch nie vorher war und bei vielen mit Sicherheit auch nie zurückkehren werde. Neue Erfahrungen sind dazugekommen, ob sie notwendig waren und mich irgendwie weiterbringen muss die Zukunft zeigen. Aber auch von Ärger und tiefem Frust war die Fahrt nicht verschont. Es kann halt zwischenmenschlich sehr schwierig werden bei so langer Zeit auf so engem Raum. Ich habe für mich festgestellt, dass ich durchaus für einige Monate auf einem Boot leben kann. Ja, ich würde eine solche Tour wieder machen. Am liebsten natürlich mit meiner Frau und den Jungs. Das dies passieren könnte ist jedoch eher unwahrscheinlich. In absehbarer Zeit möchte ich allerdings nicht mehr so lange von zu Hause fort sein, abgesehen davon, dass die Rahmenbedingungen während meines restlichen Arbeitsleben wahrscheinlich sowieso nicht mehr passen werden. Die obige Frage stellt sich also so gar nicht..
So, geehrtes Auditorium. Dies ist das Ende meines Törnberichtes (falls mir nicht noch irgend etwas eminent wichtiges einfällt). Ich hoffe Ihr habt gnädig über die vielen Rechtschreibefehler hinweg gesehen, auch an der Kommaregel arbeite ich schon seit Jahren. Aber es kommt ja wie immer auf die Inhalte an. Vielen Dank für die treue Leserschaft und bis zum nächsten Törn
Wilfried

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