Nordwärts
Lipso nach Leros (Panteli)
16.09.2010
Wasser im Schiff !!!!!! – wir sinken ????
Text folg
Lipso / Lira Reede
14.09.2010
Die Bucht ist ziemlich voll. Ich merke, dass ich immer weiter nach Süden komme. Auch die Quote der Chartersegler nimmt langsam zu. Nach einer Ehrenrunde zum Auskundschaften der Platzverhältnisse und der Tiefen insbesondere in Strandnähe finde ich einen Platz im westlichen Finger der Bucht. Der Anker fällt auf 4 ½ Metern in Sandgrund. Auf den Hinweis von xxxxx hin, hier wegen der Fallböen besser mit Landleine zu ankern, stecke ich zunächst nur 15 Meter Kette und gehe dann mit Brille und Flossen zu Wasser um den Ankergrund zu erkundschaften. Der Anker ist schön eingegraben. Ich schwimme weiter zum Ufer, sobald das Wasser etwas flacher wird beginnt eine fast intakte Unterwasserlandschaft. Ich werde von einem Handtellergroßen bunten Fisch (Nemo?) begrüßt. Als wollte er sagen: Na, gehst‘e auch Baden? Völlig unerschrocken sieht er mich freundlich an – vielleicht ist er neidisch auf meine schönen leuchtendblauen Schwimmflossen? Hier kann ich unmöglich meinen Anker durchziehen! Ich entscheide kurzerhand frei zu Ankern und nur mehr Kette zu stecken. Lieber fahre ich heute Nacht in den Böen Karussell als dass ich dem kleinen Fisch sein Zuhause zerstöhren! Eigentlich wollte ich mit dem eingegrabenen Anker rückwärts auf den Strand zu fahren und dann die Landleine ausbringen – aber das hat sich nun erledigt.
Sigacik
03.09.2010
Bin nur über Nacht geblieben. Wenig Platz wegen der vielen Mooringbojen mit festen Liegern. Habe die La Vie aus Bremerhaven wieder getroffen und eine paar Worte gewechselt (Sailors Small Talk).
Foca nach Cesme
30.08.2010
Um 8:00 Uhr in der Früh verlassen wir Foca. Heute können wird schon bald segeln, der NE- und später NW-Wind lässt aber wieder nach du wir müssen eine Weile durch die spiegelglatte See motoren. Da, plötzlich ein Geräusch, direkt neben dem Boot springt ein kapitaler Delphin ca. 2 m in Höhe um dann ebenso schnell wieder zu verschwinden. Leider kommt er nicht wieder.
Um sicher zu gehen erkundige ich mich telefonisch bei der Marina in Cesme über die Preise und freie Plätze. Plätze sind frei und der Preis – 30 € inkl. Wasser, Strom, Toiletten und Duschen in einer neuen Marina der Luxusklasse (vergleiche hierzu Foca!).
Weiteres folgt!
Bademli nach Foca
29.08.2010
Auch heute lässt der Wind ein wenig auf sich warten. Kommt dann aber später aus NW mit immerhin 6-12 kn. Von den angeblichen weißen Robben auf den Foca vorgelagerten Inseln sehen wir nichts. Wie auch, wenn in greifbarer Nähe jede Menge Boote die Inseln umkreisen und die armen Tiere zu erspähen. Wenn ich Robbe wäre würde ich mich auch aus dem Staub machen.
In Foca erleben wir dann Strandräuberei erster Güte. Der Hafen ist recht voll, aber ein Mann mit weißem T-Shirt und Handfunke weist uns einen Platz direkt neben einer funkelnagelneuen 16-m Segelyacht auf einer Ecke an der Betonmole. Das Anlegemanöver ist nicht einfach, da der Wind von der Seite bläst und an der Mole Kabbelwasser herrscht. Der Skipper von der Luxusyacht schaut auch schon etwas skeptisch. Doch das Manöver klappt, auch wenn der Mann auf dem Pier nicht gerade professionell mit unseren Achterleinen hantiert. Auf die Frage was den dieser „Liegeplatz“ kostet antwortet er unverhohlen: 90 TL (45 €uro!). Strom, Wasser Toiletten und Duschen gibt es dafür keine. Und für 60 ltr. Diesel kommt der Lieferant nicht an den Pier gibt es natürlich, die sollen wir doch einfach mit einem Kanister bei der Tankstelle selber holen. Alles Argumente hier nicht zu bleiben. Was ich äußerst selten tue, ich lasse mir die Achterleinen sofort wieder zurückgeben und wir gehen Anker auf. Wir Ankern frei im Hafen auf ca. 8 m Tiefe zwischen den Mooringbojen, die leider nicht viel Platz lassen. In Foca ist die Hölle los, jede Menge Touristen durchströmen die Gassen und vor allem die Promenade mit den Lokalen So müssen wir uns nach dem Abendessen in einem Lokal einen guten Platz ersitzen, indem wir immer wenn jemand ging einen Tisch weiter nach vorn gerückt sind.
Ayvalik – Bademli
28.08.2010
Wir starten nach dem letzten Einkauf gegen 12:00 Uhr und können wegen zu leichter Winde leider erst ab 16:00 Uhr die Segel setzen. Wir werfen den Ankern auf 5 ½ Metern Tiefe mit 50 m Kette östlich des kleinen Leuchtturms. Abends gibt es Spagetti Bolonese mit Parmesan, den Ullis Eltern aus Deutschland mitgebracht haben. Am Morgen verholen wir uns zwischen die beiden Inseln Garip und Kalem (im nördlichen Teil) und nutzen noch das kristallklare Wasser zu einem ausgiebigen Morgenbad und einem anschließenden Frühstück – ein Ambiente mit Wasserfarben wie in der Karibik.
Ayvalik (die Dritte)
19.08.2010
Die 29 sm am nächsten Tag nach Ayvalik gestalten sich als Routine-Schlag, da ich die Gegend ja bereits vom Hinweg her kenne. Ein eigenartiges Gefühl der gewohnten Umgebung, wie man es aus Heimatrevieren kennt beschleicht mich. Bei der Ansteuerung die beiden Untiefentonnen auf Backbord liegen lassen und durch das betonnte Fahrwasser in den See von Ayvalik einfahren. Dort hart nach Steuerbord Richtung Süden abbiegen und durch den landschaftlich reizvollen Kanal in die Bucht von Camlik einfahren. Der Anker fällt im nördlichen Bereich auf 4 Metern Tiefe in Schlick. Am Ufer erwarten mich bereits Ulli und Jürgen mit ihrem neuen VW-Bus und zwei Hunden. Die Frage, wo ich das Dingy parken kann klärt sich abschließend sehr praktikabel.
Es wird einfach mit samt dem Außenborder in den VW-Bus geschoben – Dingy-Garage einmal anders.
Ulli berichtet mir, dass sie extra das Gästezimmer für mich hergerichtet hat – wie soll man da wiederstehen? So fahren wir mit dem VW-Bus „Edition Maritim“ zu dem Haus von den beiden. Dort empfängt uns eine weitere Hündin mit ihren 8 Welpen. Ulli, die ein großes Herz für Hunde hat, hat diese junge Familie von Straßenhunden kurzerhand in ihre Obhut genommen. Bei unserem Begrüßungsbier versucht sie dann auch mir einen der kleinen Racker auf Boot zu loben. Aber nachdem sich der Kleine mit einer Ladung feuchtwarmer Flüssigkeit über meine Hose bei mir einzuschmeicheln versuchte danke ich freundlich aber auch endgültig ab. Ein netter kleiner Kerl, aber irgendwie nichts für mich.
Die ausgiebige Dusche und das Bad im Süßwasserpool tun richtig gut. Ich bekomme ein sehr schönes Gästezimmer mit eigener Dusche und Toilette und einem großen Doppelbett – was für ein Luxus nach den vielen Wochen an Bord. Im Nachbarhaus, das auch den beiden gehört wohnt Dursun, ein Mitarbeiter von Jürgen mit seiner Frau x???? (tja, mein Namensgedächtnis!), dem Sohn Efe (nicht zu verwechseln mit dem türkischen Bier!) und dem Vater. Irgendwie gehören die alle mit zur Familie.
Grillabend war ein voller Erfolg, Süha hat einige leckere türkische Vorspeisen zubereitet und ein Nußbrot gebacken, wir kommen mit selbst mariniertem Halsgrat, dazu der Kartoffelsalat von Inge und Lothar (Das Brötchen) – ein Festessen. Außerdem sind noch die Bekannte von Süha (Songül) und ein paar Nachbarn hinzugestoßen. Platz ist genug und zu Essen gibt es reichlich.
Seit meiner Ankunft bläst ein unangenehmer kräftiger Nordwind, der Peuras. Er geht nachts nicht schlafen, bläst ununterbrochen und wirbelt eine ganze Menge Staub auf. Laut Jürgen endet er immer an einem Dienstag oder einem Freitag – woher kennt der Wind die Wochentage?
An einem der Ausflüge mit Monabhar zum Baden lernen wir den Peuras etwas näher kennen, wir dampfen zunächst durch die Bucht von Ayvalik gegen an um dann mit Rauschefahrt (über 7 Knoten) bei 1/3 Genua, ohne Groß wieder zurück zu segeln. Einen Badestopp legen wir in der geschützten Bucht Cennet Koyu ein.
Dass es auch anders geht zeigt sich als wir einen zweiten Ausflug nachdem sich der Peuras schlafen gelegt hat (übrigens am Dienstag!). Wir fahren mit leichten Winden nach Poroselene (Maden Adasi) und legen dort bei kristallklarem Wasser einen Badetag ein. Songül lädt uns am Abend zu sich zum Essen ein. Sie wohnt in einem kleinen Fischerhaus in der Innenstadt. Es ist ganze 35 m2 groß und die sind noch auf drei Etagen verteilt. Die obere Etage ist zugleich eine überdachte Dachterrasse mit integriertem Schlafzimmer. Alles ist sehr nett dekoriert und macht den Anschein einer Puppenstube.
Einen Abend fahren wir mit dem Auto zur Halbinsel Cunda (Alibey) ins Restaurant Papalina. Dort werden nach und nach immer neue leckere Vorspeisen serviert. Hier kann man auch wegen einem Liegeplatz an der Pier Nachfragen (recht günstig (10-15 TL pro Nacht), gegenüber der Setur Marina in Ayvalik, aber kein Service und möglicherweise etwas laut wegen der angrenzenden Lokale. Tel. 0266 3271041)
Ich nutze den Aufenthalt in Ayvalik um einige gesundheitliche Dinge (Prellungen, Entzündung in Zehengelenken) in der Polyklinik abklären zu lassen. Ich kann nur jedem empfehlen, wenn es geht solche Dinge rechtzeitig in der Heimat durchzuführen! Zunächst muss man im Ausland das System verstehen. Hier zahlt man z. B. zunächst 15 TL in bar und im Voraus und bekommt dann einen Zettel mit einer Nummer. Diese Nummern werden über dem Behandlungszimmer auf einem Bildschirm angezeigt, wenn er denn funktioniert. Es gibt eine zweite zentrale Anzeige im Ergeschoß beim Eingang, wenn es denn funktioniert. Alles ist in Türkisch beschrieben! Ältere türkische „Damen“ legen eine gewisse Ellenbogenmentalität an den Tag um das System zu umgehen. Nachfragen, Argumentieren wann man den nun endlich reinkommt – Fehlanzeige. Außer dem Arzt selber spricht keiner Englisch. Man muss sehr viel Zeit und Geduld mitbringen und ist darauf angewiesen, dass wie in meinem Fall ein LKW-Fahrer, der in Europa unterwegs war und gebrochen Deutsch spricht, einem in dem Dilema weiterhilft. Kommt der Arzt zu der Erkenntnis, er braucht zur Beurteilung ein Röntgenbild, geht das Ganze von vorn los. Ich bin froh dass mir später Süha, der zu Dialyse in der gleichen Klinik war und fließend Deutsch (Bayrisch) und Türkisch spricht, weitergeholfen hat. Blutbild – unbedingt in Deutschland vorher alles checken! Sprache, System, Medikamente, ….Zeit! Einem ausländischen Arzt, die eigenen Beschwerden in allen Feinheiten zu erklären ist unweit schwieriger als in Deutschland in der Muttersprache. Ebenso verhält es sich mit der Diagnose. Und zum Abschluss werden dann Medikamente verschrieben, von denen man nicht weiß was die eigentlich tun – Beipackzettel sind natürlich in Türkisch. Aber hier hilft das Internet – das Internet weiß alles! Das Medikament oder den Wirkstoff unter Google eingegeben und man bekommt die Informationen die man braucht. Möglichst gleich in Stichworten auf der Packung notieren!
So langsam muss ich weiter auf meinem Weg in den Süden. Jürgen entschließt sich mich ein paar Tage zu begleiten und sich dann später mit dem Auto abholen zu lassen. Ulli kann leider nicht mitkommen, da sie gerade ihre Eltern aus Deutschland für ein paar Wochen zu Besuch bekommen hat.

